🚀 „Einfach Machen“: Sina Beckmann stellt die Weichen neu

08.10.2026 · von Sina Beckmann
Sina Beckmann wird bei der Landtagswahl 2027 nicht erneut für den Niedersächsischen Landtag kandidieren. Nach jetzt vier Jahren im Parlament hat die 45-Jährige entschieden, sich nicht um ein weiteres Mandat zu bewerben.

„Vier Jahre Landtag bis jetzt sind eine intensive und besondere Erfahrung, für die ich sehr dankbar bin. Ich durfte und darf immer noch unglaublich viele Menschen kennenlernen, Niedersachsen ganz neu entdecken und Themen voranbringen, für die ich wirklich brenne. Gleichzeitig habe ich in den zurückliegenden Jahren viel darüber gelernt, wo meine eigenen Stärken liegen und wie ich in Zukunft arbeiten und etwas bewegen möchte.“

Beckmanns Weg in die Politik begann spät und verlief dann schnell. 2018 trat die Unternehmerin den Grünen bei und übernahm noch im selben Jahr den Vorsitz des Kreisverbandes Friesland. 2021 kandidierte sie für den Bundestag und wurde in den Rat der Stadt Jever sowie den Kreistag Friesland gewählt. 2022 folgte der Einzug in den Niedersächsischen Landtag. Bis dahin war sie zudem Sprecherin der grünen Landesarbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Finanzen. „Als ich 2018 eingetreten bin, hätte ich nicht gedacht, dass ich vier Jahre später im Landtag sitze. Unser großes Ziel im Kreisverband war damals ein Landtagsmandat für Friesland. Wir haben gemeinsam darauf hingearbeitet und 2022 haben wir es erreicht.“

Vor ihrer politischen Laufbahn war Beckmann viele Jahre Unternehmerin, baute ein eigenes Laborunternehmen auf und arbeitete im Bereich der Erneuerbaren Energien. Diese Herkunft prägt ihren Blick auf Politik bis heute. „Ich bin Unternehmerin geblieben, auch als Abgeordnete. Wenn ich eine gute Idee sehe, denke ich ziemlich schnell darüber nach, wie wir sie umsetzen können. Ich mag Menschen, die etwas ausprobieren, Verantwortung übernehmen und auch mal ins Risiko gehen. Wahrscheinlich sind deshalb Startups, Innovation und KI so sehr meine Themen geworden.“

Im Landtag startete Beckmann in der Finanzpolitik und war außerdem für Häfen und Schifffahrt zuständig. Seit Beginn der Wahlperiode arbeitet sie als stellvertretende Vorsitzende im Tourismusausschuss. 2025 wechselte sie in den Petitionsausschuss. „Ich mag die Arbeit im Petitionsausschuss, weil Politik dort sehr konkret wird. Menschen kommen mit einem ganz persönlichen Anliegen zu uns und wir schauen, was wir tun können. Genau diese Nähe zur Praxis liegt mir. Man erlebt sehr konkret, wo Regeln im Alltag funktionieren und wo nicht.“

Inhaltlich setzte Beckmann zunehmend Schwerpunkte bei Startups, Innovation und Künstlicher Intelligenz. Zu den Arbeiten, die ihr besonders wichtig sind, gehören ihr umfangreicher Startup-Antrag und das KI-Grundsatzpapier der grünen Landtagsfraktion. Auch ihre Heimat brachte sie immer wieder mit der Landespolitik zusammen, und so holte sie als stellvertretende Vorsitzende 2026 den Tourismusausschuss für eine auswärtige Sitzung nach Jever.

Sina Beckmann

Vier Jahre Landtag bis jetzt sind eine intensive und besondere Erfahrung, für die ich sehr dankbar bin. Ich durfte und darf immer noch unglaublich viele Menschen kennenlernen, Niedersachsen ganz neu entdecken und Themen voranbringen, für die ich wirklich brenne. Gleichzeitig habe ich in den zurückliegenden Jahren viel darüber gelernt, wo meine eigenen Stärken liegen und wie ich in Zukunft arbeiten und etwas bewegen möchte.

Eine Erfahrung aus den vergangenen Jahren ist Beckmann dabei besonders wichtig geworden. Gute Politik brauche neben klaren Positionen auch einen respektvollen Umgang miteinander und die Bereitschaft, über Parteigrenzen hinweg zusammenzuarbeiten. „Politischer Wettbewerb gehört dazu. Wir müssen uns in der Sache streiten können. Aber wir sollten uns danach immer noch in die Augen schauen und vernünftig miteinander arbeiten können. Ich habe im Landtag und auch in der Kommunalpolitik viele Kolleginnen und Kollegen aus anderen Fraktionen kennengelernt, mit denen genau das funktioniert.“ Überparteiliche Zusammenarbeit sei für sie dabei kein Gegensatz zu einem klaren eigenen politischen Standpunkt. „Eine gute Idee wird nicht schlechter, nur weil sie aus einer anderen Fraktion kommt. Am Ende sollte entscheidend sein, ob eine Lösung funktioniert und unser Land voranbringt. Gerade bei den großen Aufgaben, die vor uns liegen, brauchen wir aus meiner Sicht mehr von diesem Denken.“

Aus ihrer politischen Arbeit entstand auch ihr Motto „Einfach Machen“. Beckmann ist damit in ganz Niedersachsen unterwegs, besucht Startups und Innovationszentren und spricht mit Gründerinnen und Gründern, Unternehmen, Wirtschaftsverbänden und Hochschulen. „Ich merke dabei, wie viel Energie und Kreativität in Niedersachsen steckt. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass parlamentarische Politik häufig andere Geschwindigkeiten und andere Wege hat, als ich sie aus meinem früheren Berufsleben kenne. Ich habe großen Respekt vor dieser Arbeit. Aber ich habe für mich auch festgestellt, dass meine Stärke besonders dort liegt, wo aus einer Idee möglichst konkret etwas Neues entsteht.“

Diese Erkenntnis sei der entscheidende Grund für ihre Entscheidung. „Ich möchte nicht einfach ein politisches Mandat verlängern, nur weil ich es bereits habe. Fünf weitere Jahre Landtag sind fünf Jahre Lebenszeit. Dafür muss man wirklich überzeugt sein, dass genau das der richtige Ort für die eigene Energie ist. Ich habe für mich gemerkt, dass ich künftig wieder näher an der Umsetzung von Ideen arbeiten möchte.“

Aus der Politik zieht sich Beckmann deshalb nicht zurück. Bei der Kommunalwahl in Jever erhielt sie 795 persönliche Stimmen, 95 mehr als bei ihrer ersten Wahl 2021. In der neuen Wahlperiode übernimmt sie den Vorsitz der grünen Ratsfraktion. „Dieses Vertrauen der Wählerinnen und Wähler hat mich sehr gefreut. Ich mag Kommunalpolitik, weil sie unmittelbar ist. Man kennt die Menschen, über deren Anliegen man entscheidet. Man sieht die Straße, das Unternehmen oder den Platz in Jever, um den es gerade geht. Und irgendwann muss man gemeinsam eine Lösung finden. Das liegt mir.“ Auch im Landtag beginnt für Beckmann jetzt kein „Abschiedsmodus“. „Ich habe noch ein Jahr und das ist eine Menge Zeit. Bei Startups, Innovationen und Künstlicher Intelligenz passiert gerade unglaublich viel. Ich möchte dazu beitragen, dass Niedersachsen diese Entwicklung nicht nur beobachtet, sondern mitgestaltet.“

Was nach dem Ende ihres Landtagsmandates kommt, hat Beckmann bewusst noch nicht entschieden. Eine Rückkehr ins Unternehmertum kann sie sich ebenso vorstellen wie neue Projekte an der Schnittstelle von Wirtschaft, Innovation und Gesellschaft. Auch ein späteres politisches Amt schließt sie grundsätzlich nicht aus. „Ich habe mit Mitte vierzig noch keine Lust, meinen Lebenslauf zu verwalten. Ich möchte etwas Neues anfangen und aufbauen. Was genau das sein wird, wird sich zeigen.“

Eines werde sie aus dem Landtag auf jeden Fall mitnehmen: „Politik hat meinen Blick auf unser Land verändert. Ich habe viele tolle, engagierte und mutige Menschen kennengelernt und gesehen, wie viele gute Ideen es in Niedersachsen gibt. Ich möchte auch künftig dazu beitragen, dass aus solchen Ideen etwas entsteht.“ Und deshalb bleibt auch ihr Motto:„Einfach Machen.“

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