🚜 Lies und Beckmann werben fĂŒr Zusammenhalt in Sachen BiosphĂ€renreservat

24.02.2023 · von Sina Beckmann
Olaf Lies und Sina Beckmann nehmen Stellung zur Absage des BrĂŒllmarkts durch die Landwirte.

Sina Beckmann, Landtagsabgeordnete aus Friesland und Ratsfrau in Jever nimmt wie folgt Stellung:

„Der Beitritt zur Entwicklungszone des BiosphĂ€renreservats war ein guter und richtiger Schritt - gerade auch fĂŒr die Landwirtschaft. Warum? Niemand wird wohl bestreiten, dass wir klimatisch starke VerĂ€nderungen in den letzten Jahren erleben, die die Arbeit in der Landwirtschaft sehr erschweren. Schlepper kommen nicht auf das Feld, weil es in kurzer Zeit zu lange und zu viel regnet und der Boden komplett durchnĂ€sst und aufgeweicht ist. Ernten fallen aus, weil es dann wiederum zu wenig regnet und wir immer wieder lange Hitze- und Trockenperiode haben. Die Klimaentwicklung zeigt sich auch in hoher Trockenheit und in milden Wintern. Diese befördern zum Beispiel die Vermehrung von FeldmĂ€usen und wir wissen noch alle, was gerade dieses Tier im Jahr 2020 mit dem GrĂŒnland in der Region Friesland anstellte.

Und genau weil wir diese klimatischen VerĂ€nderungen haben und sie unseren Alltag beeinflussen, ist es an der Zeit, dass wir angemessen reagieren. Der Landwirtschaft kann im Sinne der betriebswirtschaftlichen Entwicklung nicht daran gelegen sein, dass ihr Beruf immer schwerer in der AusĂŒbung wird, immer teurer und immer weniger verlĂ€sslich.

Mit dem Beitritt zur Entwicklungszone wollen wir dem entgegen wirken. Wir wollen den Fokus auf die klimatischen VerĂ€nderungen legen und wie wir zukĂŒnftig damit umgehen können. Wie wir die Menschen im Allgemeinen sensibilisieren fĂŒr die ErderwĂ€rmung und ihre Folgen. Und wie wir als Fairtrade-Stadt, als Tourismus-Ort, der wie kaum ein anderer von einem ertrĂ€glichen Klima abhĂ€ngt und als KĂŒstenstandort, der auch in 30 Jahren noch einer sein möchte, damit umgehen können und mĂŒssen. In den BiosphĂ€renreservaten, in den Modell-Regionen der UNESCO, geht es nicht nur um den klassischen Naturschutz, sondern um mehr, nĂ€mlich um unsere Art zu leben und somit steht der Mensch selbst als Bestandteil der BiosphĂ€re im Mittelpunkt.

Jever liegt außerhalb des Nationalparks Wattenmeer - somit findet das viel zitierte Gesetz, das in der Kernzone regelt, dass zum Beispiel kein Pflanzenschutzmittel verwendet oder kein GrĂŒnland in Ackerland umgewandelt werden darf, keine Anwendung. Und damit gibt es fĂŒr die Landwirtinnen und Landwirte keine EinschrĂ€nkungen in der Entwicklungszone. Und deshalb finde ich es persönlich besonders schade, dass die Landwirtschaft in Jever die BĂŒrger*innen fĂŒr eine Entwicklung in Mitleidenschaft ziehen, die wir als Menschheit alle zu verantworten haben und in dieser Folge die Teilnahme am BrĂŒllmarkt absagt. Es wĂ€re schöner, wenn wir uns alle gemeinsam den Herausforderungen der Zeit stellen und uns zusammen fĂŒr eine gute und lebenswerte Zukunft einsetzen. Meine Ratskolleg*innen und ich haben immer signalisiert, dass wir fĂŒr GesprĂ€che zur VerfĂŒgung stehen und das gilt natĂŒrlich nach wie vor.“

Sina Beckmann
Sina Beckmann
Landtagsabgeordnete aus Friesland und Ratsfrau in Jever
Bild: Brauers.com

Ich finde es persönlich besonders schade, dass die Landwirtschaft in Jever die BĂŒrger*innen fĂŒr eine Entwicklung in Mitleidenschaft ziehen, die wir als Menschheit alle zu verantworten haben und in dieser Folge die Teilnahme am BrĂŒllmarkt absagt. Es wĂ€re schöner, wenn wir uns alle gemeinsam den Herausforderungen der Zeit stellen und uns zusammen fĂŒr eine gute und lebenswerte Zukunft einsetzen. Meine Ratskolleg*innen und ich haben immer signalisiert, dass wir fĂŒr GesprĂ€che zur VerfĂŒgung stehen und das gilt natĂŒrlich nach wie vor.

Olaf Lies, NiedersĂ€chsischer Wirtschaftsminister und Abgeordneter fĂŒr Friesland, kommentiert den anhaltenden Widerstand von regionalen Landwirten gegen den Antrag Jevers auf Beitritt zur Entwicklungszone zum BiosphĂ€renreservat NiedersĂ€chsisches Wattenmeer wie folgt:

„Es ist richtig, dass in den vergangenen Jahrzehnten viel Vertrauen bei der regionalen Wirtschaft und der Landwirtschaft verloren gegangen ist. Dieses wurde ĂŒber Jahrzehnte verspielt, als bei der damaligen Ausweisung der Natura2000-Schutzgebiete die möglichen Auswirkungen fĂŒr Wirtschaft und Landwirtschaft heruntergespielt wurden und suggeriert wurde, man könne die AnsprĂŒche der EU mit freiwilligen Maßnahmen lösen. Das war schlicht falsch.

In meiner Zeit als Umweltminister haben wir daher eine Novelle zum Gesetz ĂŒber den Nationalpark NiedersĂ€chsisches Wattenmeer in Landtag verabschiedet. Gerade mit Blick auf die kritische Haltung und die Sorgen der Landwirtschaft haben wir damals explizit fĂŒr weitere Klarstellung im Gesetz gesorgt. Dort steht nun, dass mit diesem Entwicklungsansatz weder weitere Naturschutzauflagen noch EinschrĂ€nkungen der kommunalen Planungshoheit verbunden sein werden. Die Gemeinden, die Landwirtschaft und die Wirtschaft erhalten die zu Recht geforderte Sicherheit. Viel mehr, als dieser zu Recht geforderten Sicherheit Gesetzesrang zu geben, geht eigentlich nicht.

Deshalb habe ich nur begrenztes VerstĂ€ndnis fĂŒr diesen hartnĂ€ckigen Widerstand seitens der Landwirte gegen den Antrag auf Beitritt Jevers. Die Absage an die Teilnahme am BrĂŒllmarkt ist der Ausdruck dieses Protests. Das bedauere ich sehr, weil hier völlig unterschiedliche Themen miteinander vermischt werden. Die positive Darstellung der Landwirtschaft war immer ein großer Erfolg und hat auch immer wieder diejenigen mit Stolz auf die Landwirtschaft blicken lassen, die hĂ€ufig nicht den engen Kontakt haben. Jetzt zeigt sich aber auch, dass wir weiter und vielleicht noch tiefer ins GesprĂ€ch kommen mĂŒssen. Dazu bin ich als regionaler Abgeordneter immer bereit. Denn richtig ist auch: Nur mit einer verlĂ€sslichen und vertrauensvollen Zusammenarbeit werden wir gemeinsam unsere Ziele langfristig erreichen. Wie es gelingen kann zu einem guten Ausgleich der Interessen zwischen Landwirtschaft und denen des Umwelt-, Arten und Naturschutzes zu kommen, zeigen wir gerade ja auch mit unserem NiedersĂ€chsischen Weg. 

Ich werde hier nicht mĂŒde, Werbung zu machen, fĂŒr dem Beitritt möglichst vieler Gemeinden zur Entwicklungszone. Es wĂ€re ein gutes Signal, wenn die Region sich insgesamt fĂŒr die BiosphĂ€re stark machen wĂŒrde. Denn unser UNESCO-BiosphĂ€renreservat NiedersĂ€chsisches Wattenmeer bedeutet eben nicht Behinderung fĂŒr unsere Landwirtschaft, sondern den Beweis, dass wir die Zukunftsthemen nur gemeinsam angehen können.“

Olaf Lies
Olaf Lies
NiedersĂ€chsischer Wirtschaftsminister und Abgeordneter fĂŒr Friesland
Bild: SPD

Die positive Darstellung der Landwirtschaft war immer ein großer Erfolg und hat auch immer wieder diejenigen mit Stolz auf die Landwirtschaft blicken lassen, die hĂ€ufig nicht den engen Kontakt haben. Jetzt zeigt sich aber auch, dass wir weiter und vielleicht noch tiefer ins GesprĂ€ch kommen mĂŒssen.

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