📁 Die Zukunft Niedersachsens? An der Jade ist sie längst in Arbeit.

Im Wilhelmshavener Hafen werden die Weichen für neue Energie- und Wasserstoffprojekte gestellt. In Oldenburg arbeiten junge Technologieunternehmen an Anwendungen mit künstlicher Intelligenz. Und in der Jade-Weser-Region vernetzen sich Hochschulen, Unternehmen und Gründerinnen und Gründer, um aus Ideen neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Was auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun hat, gehört zu einer gemeinsamen Zukunftsfrage: Wie entstehen aus Forschung, Technologie und guten Ideen die Unternehmen und Arbeitsplätze von morgen?
Genau darauf will der neue Zukunftsplan für Niedersachsen Antworten geben. Er wurde vom Innovationsrat Niedersachsen erarbeitet und im September 2026 veröffentlicht. Das Expertengremium bringt Perspektiven aus Wissenschaft, Wirtschaft und weiteren gesellschaftlichen Bereichen zusammen. Sein Auftrag: die Innovationsfähigkeit des Landes untersuchen und konkrete Empfehlungen für seine wirtschaftliche Zukunft entwickeln.
„Wenn wir über die Wirtschaft von morgen reden, müssen wir nicht immer zuerst nach Hannover, Hamburg oder Berlin schauen“, sagt Sina Beckmann, Landtagsabgeordnete und Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion für Innovationen und Startups. „Hier bei uns an der Küste passiert bereits eine ganze Menge. Wir müssen diese Stärken miteinander verbinden und daraus noch mehr machen.“

Wir müssen weg von der Vorstellung, dass eine Innovation schon dann erfolgreich ist, wenn sie in einem Forschungsbericht steht. Spannend wird es doch erst, wenn daraus etwas entsteht, das Menschen nutzen können – ein neues Produkt, ein Unternehmen oder ein guter Arbeitsplatz.
Von der guten Idee zum erfolgreichen Unternehmen
Der Zukunftsplan zeigt zunächst, wo Niedersachsen Nachholbedarf hat. Mit Forschungsausgaben von 2,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegt das Land unter dem Bundesdurchschnitt von 3,2 Prozent. Zudem entfallen 55 Prozent der Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen auf die Automobilindustrie.
Der Innovationsrat empfiehlt deshalb, neue Technologien gezielter zu entwickeln, Wissenschaft und Wirtschaft enger zusammenzubringen und innovativen Unternehmen bessere Start- und Wachstumsbedingungen zu bieten. Zu den Schwerpunkten gehören künstliche Intelligenz und Robotik, Biotechnologie, Quantentechnologien sowie klimafreundliche Produktionsverfahren und Kreislaufwirtschaft.
Ein zentraler Vorschlag sind vier bis fünf sogenannte Impact Cluster. Dort sollen Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Startups und etablierte Unternehmen über mehrere Jahre gemeinsam an technologischen Entwicklungen arbeiten. Hinzu kommen einfachere Verfahren für Hochschulausgründungen, bessere Finanzierungsmöglichkeiten für Startups und mehr Angebote zur Aus- und Weiterbildung.
„Wir müssen weg von der Vorstellung, dass eine Innovation schon dann erfolgreich ist, wenn sie in einem Forschungsbericht steht“, so Beckmann. „Spannend wird es doch erst, wenn daraus etwas entsteht, das Menschen nutzen können – ein neues Produkt, ein Unternehmen oder ein guter Arbeitsplatz.“
JadeBay, Jade Hochschule und Oldenburg: Die Netzwerke sind schon da
Dass der Nordwesten dafür nicht bei null anfangen muss, zeigen bestehende Initiativen.
Die JadeBay verbindet die wirtschaftliche Entwicklung in Friesland, Wilhelmshaven, Wittmund und der Wesermarsch. Mit Angeboten zu Digitalisierung, Fachkräften und Wissens- und Technologietransfer bringt sie Unternehmen, Wissenschaft und weitere Akteure zusammen.
Auch die Jade Hochschule stärkt mit ihrer Jade Startup Box die regionale Gründungskultur. Beim Jade Startup Tag in Wilhelmshaven kommen Gründungsinteressierte, junge Unternehmen und Menschen aus dem regionalen Startup-Ökosystem zusammen.
Und in Oldenburg zeigt der HTI Startup Accelerator, wie Technologieunternehmen beim Wachstum unterstützt werden können. Er begleitet insbesondere KI-Startups mit Coaching, Kontakten zu Investoren und Finanzierungsmöglichkeiten.
„Genau solche Strukturen brauchen wir“, erklärt Beckmann. „Wir haben Menschen mit Ideen, Hochschulen mit Know-how und Unternehmen, die neue Lösungen suchen. Die entscheidende Frage ist doch: Wie bringen wir sie noch besser zusammen? Und wie sorgen wir dafür, dass erfolgreiche Gründungen auch hierbleiben und wachsen?“
Wilhelmshaven: Mehr als Hafen und Energieumschlag
Besonders deutlich werden die wirtschaftlichen Chancen in Wilhelmshaven. Der JadeWeserPort, die maritime Wirtschaft und die Entwicklung neuer Energie- und Wasserstoffprojekte schaffen Anknüpfungspunkte für technologische Innovationen.
Dabei geht es nicht nur um den Umschlag von Gütern oder Energieträgern. Intelligente Logistik, automatisierte Hafenprozesse, digitale Anwendungen, neue Verfahren für die Wasserstoffwirtschaft und klimafreundliche industrielle Produktion sind mögliche Felder für Forschung, neue Geschäftsmodelle und qualifizierte Beschäftigung.
Auch Rechenzentren und digitale Infrastruktur gehören für Beckmann in diese Debatte. Sie können neue wirtschaftliche Perspektiven eröffnen, stellen aber zugleich Anforderungen an Stromversorgung, Flächen und Ressourceneffizienz. Gerade die Verbindung von erneuerbaren Energien, leistungsfähiger Infrastruktur und digitaler Wirtschaft könnte für den Nordwesten interessant werden.
„Wilhelmshaven hat das Potenzial, weit mehr zu sein als ein Standort, an dem Waren und Energie ankommen“, sagt Beckmann. „Hier können auch neue Technologien entwickelt, erprobt und wirtschaftlich genutzt werden. Dafür müssen wir Hafenwirtschaft, Energiewirtschaft, Forschung und innovative Unternehmen zusammendenken.“
Auch Friesland, Wittmund und die Wesermarsch profitieren von neuen Ideen
Die Chancen beschränken sich nicht auf Wilhelmshaven. In den ländlich geprägten Teilen der Region können etwa künstliche Intelligenz und Robotik in der Landwirtschaft, neue Technologien für die Wasserwirtschaft oder digitale Anwendungen in kleinen und mittleren Unternehmen eine wichtige Rolle spielen.
Gerade die Verbindung traditioneller Wirtschaftsbereiche mit neuen Technologien ist ein Leitgedanke des Zukunftsplans. Dafür braucht es neben Forschung und Kapital auch Menschen mit den passenden Fähigkeiten. Der Innovationsrat empfiehlt deshalb, MINT-Bildung, Weiterbildung und sogenannte Future Skills zu stärken.
Aus dem Zukunftsplan muss konkrete Politik werden
Noch ist der Zukunftsplan kein beschlossenes Förderprogramm. Welche Empfehlungen umgesetzt, welche Standorte für die Impact Cluster ausgewählt und welche finanziellen Mittel bereitgestellt werden, muss erst entschieden werden.
Für Beckmann ist deshalb entscheidend, dass die Empfehlungen nicht bei allgemeinen Zielsetzungen stehenbleiben.
„Der Zukunftsplan ist kein Wunschzettel für die Schublade. Er zeigt ziemlich konkret, wo Niedersachsen anpacken kann. Und ich möchte, dass der Nordwesten dabei nicht nur mitgedacht wird, sondern seine Stärken aktiv einbringt.“
In einer neuen siebenteiligen Social-Media-Reihe wird Beckmann die wichtigsten Empfehlungen des Innovationsrates vorstellen. Dabei geht es um Forschung, Startups, Wachstumskapital, Zukunftskompetenzen und die Frage, welche Chancen sich daraus für die Jade-Weser-Region ergeben.